Saturday, August 29, 2009

Mer hend no immer eis gnoh

Von Peru nach Bolivien
Samstag frueh (vor einer Woche) sollte mich ein chico abholen und zum Touribus bringen. Als 15 Minuten vor der Abfahrtszeit immer noch keiner ankam, handelte ich selbst und schaffte es grad noch knapp auf den Bus. Mit Guide und Hostess fuhren wir die 380km lange Strecke nach Puno, die ich urspruenglich mit dem Zug zuruecklegen wollte. (Der kostet aber 210 Dollar, was ich schon etwas frech finde, und war ohnehin ausgebucht fuer den Samstag; zudem tanzen da drin scheint's Leute herum, das Ganze ist so richtig tourimaessig aufgemacht, worauf ich dann auch nicht wirklich Bock gehabt haette. Nicht zu vergessen die Aussicht auf x Stunden Panfloetenmusik.) Die Vegetation veraenderte sich auf dem Weg von Cusco (3'300m) zum hoechsten Punkt Abra La Raya (4'300m) hin zur Steppe, wo Viehzucht betrieben wird, mit teilweise schneebedeckten Bergen als Kontrast; wunderschoen. Dank der gut ausgebauten Strasse kamen wir nach mehreren Zwischenhalten, u.a. in Raqchi (alte Inka-Stadt, bedeutend fuer den Handel zwischen Norden und Sueden des Inkareichs), innert vernuenftiger Frist in Puno (3'855m) am Titicacasee an. Im Gegensatz zu Juliaca, der haesslichsten Stadt, die ich jemals gesehen habe und die wir auf dem Weg passiert hatten, ist Puno ganz nett, wenn auch arschkalt. (Bei der Kaelte sind in der Region in den letzten Wochen x Kinder und alte Menschen gestorben, u.a. wg. Grippe. Die Regierung hat dann Pullis hingeschickt - wird aber das Problem, das wohl einiges umfassender ist, nicht ganz loesen, denke ich...)

Abends wollte ich mir ein Cuy zu Gemuete fuehren. Es gab jedoch keins, und so nahm ich halt mit Alpaca vorlieb, das richtig fein war. (Aehnlich wie Rindsentrecote, wuerde ich sagen. Aber ich komme ja nicht so draus.) Danach trank ich den vermeintlich letzten Pisco Sour, da ja der Grenzuebertritt zu Bolivien unmittelbar bevorstand. (Gluecklicherweise gibt's den wider Erwarten auch hier an vielen Orten.)

Am Sonntag stand ich schon wieder frueh auf (langsam war ich richtig muede) und nahm den Bus nach Copacabana, das auf der bolivianischen Seite des Titicacasee liegt. (Der See umfasst ueber 8'000 Quadratkilomenter und ist mit 3'810m einer der hoechsten navigierbaren der Welt; 60% gehoeren zu Peru, 40% zu Bolivien; letztere sind (noch) schoener uebrigens. Ueber den Namen ist man sich uneinig: Titi = grosse Katze/ Puma - so weit, so gut; Caca = Fels/ Schwanz; Fels des Pumas scheint die etabliertere Version zu sein.) Bei einem kurzen Halt zum Geldwechseln hoerte ich "nei, scho wieder die", schaute auf und sah... Renate! Mit ihr haette ich wirklich nicht gerechnet, denn ihre Plaene waren vor einigen Tagen noch andere gewesen (Norden von Peru, da sie von Bolivien gekommen war). Waehrend ihres Rafting-Trips auf dem Rio Apurimac hatte sie sich aber aufgrund der netten israelischen Gesellschaft (das gibt's scheinbar auch) umentschieden mit Fernziel Argentinien. Jedenfalls fanden wir's einen sehr glatten Umstand und beschlossen, zwei Tage in Copacabana zu chillen, bevor wir weiter nach La Paz gehen wuerden, wo sie dann die Israelis treffen und ich weiter Richtung Dschungel reisen wuerde. Bereits auf der Grenze (die muss man hier in der Regel zu Fuss ueberqueren) war Partystimmung - ein Omen fuer die folgenden Tage. Ein Einheimischer erklaerte mir, es sei kultureller Austausch mit religioesen Ursachen. Die Grenze war voller Leute, Ess- und Getraenkestaende, Blasmusiken spielten aehnlich wie Guggenmusiken, wir haetten am liebsten gleich mitgespielt. (Renate war auch mal in einer Gugge.)

Gluecksrausch am Titicacasee
Unsere gute Laune sowie eine unglaubliche Gluecksstraehne zog sich dann die folgenden Tage durch: Zuerst ergatterten wir ein super Zimmer in einem tollen Hostal mit Blick ueber Copacabana, den Strand und den blausten aller blauen Seen! Daraufhin wollten wir von einem Stand auf der Strasse essen, aber als wir das Wasser, mit dem die Teller gewaschen wurden, sahen, fanden wir es ploetzlich nicht mehr ganz so eine tolle Idee. Holz alange, aber man kann das Glueck auch herausfordern, meinte Renate. So assen wir in einem Restaurant zu Mittag (15 Bolivianos = ca. 2.15 Dollar fuer ein ganzes Menu). Beglueckt liefen wir spaeter zum Hafen runter und liessen uns bei strahlendem Sonnenschein dazu hinreissen, mit einem Entenboetli ("Tigre") Pedalo zu fahren. Natuerlich durfte das Glace ("Rocky") nicht fehlen, und so duempelten wir gigelend und gackernd wie Huehner eine halbe Stunde mit Rocky auf Tigi im Titicacasee rum, uns gegenseitig bezeugend, dass dies ja schon das zugleich abgefahrenste, tollste und doefste war, was wir tun konnten. (Auf dem Foto der Titicacasee aus Tigis Sicht.) Nach dem Einparken von Tigi liefen wir die "Einkaufsmeile" hoch, und ich erstand mir einen blauen Wollpulli, der nicht zu heiss und nicht zu kalt gibt - genau richtig :-) Weiter kauften wir Fruechte sowie ein Potpourri von verschiedensten Nuessen und Popcorn, die uns die folgenden Tage als Snack dienen wuerden - bis zur Verfolgung. ("So, jetzt hani aber gnueg Nuessli gha fuer huet". Faktisch habe ich inzwischen genuegend Nuesse bis zu den Wechseljahren gegessen.) Wenigstens konnten wir einem kleinkindgrossen Spielzeug-Wolllama, Kalbshaxen und Kuhkoepfen widerstehen. (Ich faende es ja schon lange ganz interessant, die Reaktionen der Leute zu sehen, wenn ich mit einem Rucksack voller Plueschtiere und Aehnlichem ankommen und mich ausbreiten wuerde.)

Uns immer noch im Hoch befindlich, entschieden wir uns fuer das Restaurant "Nimbo" zum Abendessen - in jeder Hinsicht ein Brueller!!! Die Einrichtung des schoen schummrigen Schuppens war offensichtlich das Resultat mehrerer LSD-Trips, was der leicht schrille Blick des Gastwirts glaubhaft machte. Auf den Stuehlen und Baenken hatte es Schaffelle, so dass man es trotz der Kaelte draussen und dem ungeheizten Raum durchaus eine Weile da aushalten konnte. Wir assen den besten Burrito und kamen spaetestens dann nicht mehr aus dem Groelen heraus, als Renate einen Cocalikoer gemixt mit Cola und dazu eine Cola bestellte. Das brachte sogar den Typ etwas aus dem Haeuschen.

Nach genialem, langem Schlaf (andere waeren nach Renates Mix 3 Tage gestanden) fuhren wir anderntags mit einem Boot auf die Isla del Sol hinaus, auf der wir ein bisschen rumspazierten, die Schoenheit des Sees und der dahinterliegenden Berge bewunderten sowie in der Sonne doesten - ein weiterer perfekter Tag, wir konnten es kaum glauben. Danach schauten wir den Sonnenuntergang. An jenem Abend hatte Nimbo leider zu, aber wir fanden einen wuerdigen Ersatz, der sogar Ruso Blanco (White Russian) im Angebot hatte :-) So mussten wir auch an diesem Abend wieder eins nehmen.

Spass in La Paz (Wortspiel) und Death Road
Am Dienstag ging's weiter nach La Paz. Wir hatten am Vorabend in einer Agentur Tickets gekauft. Als wir an der Bushaltestelle ankamen, stellte sich heraus, dass die verschiedenen Agenturen mehr Tickets verkauft hatten, als Platz im Bus war. (Wir hatten uns schon gewundert gehabt, wie die Info von den Agenturen zum Busunternehmen kommen wuerde - da also dann die Antwort: Gar nicht.) Das war interessant. Wir kriegten jedenfalls zwei Sitze, und die folgenden paar Stunden fuhren wir am See entlang, der immer schoener und schoener wurde. Ich hab's ja nicht so mit der Dramatik, aber ich denke "atemberaubend" waere das richtige Wort. (Da kann leider auch mein heissgeliebter und bislang ungetoppter Vierwaldstaettersee nicht mehr ganz mithalten. Aus praktischer Sicht hingegen bevorzuge ich ihn immer noch, u.a. da der Titi nur um die 11 Grad rum ist.) An einer Stelle mussten alle aussteigen und mit einem Boot uebersetzen, waehrend der Bus mit der bolivianischen Version einer Faehre ans andere Ufer transportiert wurde - lustig! Die Anfahrt ans Zentrum von La Paz, dem Regierungssitz (wenn auch nicht Hauptstadt) von Bolivien, war ebenfalls spektakulaer: Eine 800'000 Einwohner Stadt auf 3'650-4'000m, umgeben von Bergen wie dem schneebedeckten Illimani (> 6'300m). Die Temperaturen da oben waren ueberraschend gemaessigt, wohl weil relativ windgeschuetzt.

In unserem 14-er Schlag im Loki Hostal hausten ueberdurchschnittlich viele gutaussehende Maenner, was uns nicht unangenehm war. Weiter hatte das Internet in La Paz eine ganz ordentliche Geschwindigkeit (ansonsten fast ueberall so lahm, dass man nebenbei noch ein Buch lesen kann), so dass wir abends alles organisatorisch Notwendige erledigt hatten und uns auf den Ausgang konzentrieren konnten. Wir landeten schlussendlich in einem Pub mit ganz netter Musik (beim 4. Mal "I will follow him" mussten wir allerdings ein Auge zudruecken), die von einer der Koechinnen aufgelegt wurde, was wir genau so glatt fanden wie die Belegschaft selbst. Nachdem wir aufgrund Taximangels vergeblich versucht hatten, mit dem Gueselwagen nach Hause zu kommen (sie wollten uns nicht mitnehmen), genehmigten wir uns in der hauseigenen Bar im Loki noch einen Schlummertrunk und konnten so einen neuen Rekord aufstellen - 1:30h wars.

Natuerlich mussten wir auch eine Sightseeing-Tour im Doppeldeckerbus machen, immer auf der Acht vor herunterhaengenden Stromleitungen (ein unglaubliches Puff - wundert mich nicht, dass ich wegen Stromausfall meine Foto-DVD erst verspaetet im Internetcafe abholen konnte). Zuvor hatten wir in einer Baeckerei riesige Ofechuechli und Toertli mit feiner Konfi (!) gefunden, weshalb wir auch auf diesem Trip auf Wolke sieben schwebten. (Nach all den Nuessen war das eine willkommene Abwechslung.) Leider ging auch dieser Tag schnell zu Ende. Ich las Renate noch das Guet-Nacht-Gschichtli aus dem Aerzteroman der Straumaenner vor, und am naechsten Morgen verabschiedete ich mich, um mit dem Bike die "gefaehrlichste Strasse der Welt" (so wird es behauptet) hinunterzufahren: 3'600 Hoehenmeter von 4'700m auf 1'100m, das war cool. Die Strasse selbst ist eigentlich ganz leicht zu fahren und relativ breit (fuer Velos). Das Gefaehrliche daran ist: Wenn man ueber sie hinausfaehrt, ist man ziemlich sicher tot, weil der Fels an einigen Stellen abrupt mehrere hundert Meter abfaellt. Wenn man aber vernuenftigt faehrt, ist es fast wie jedes andere Ausfaehrtli auch. Danach gab es Mittagessen, und ein Taxi brachte mich und 3 deutsche Jungs die paar hundert Meter hinauf ins Dorf Coroico (1'760m) - nachdem die Herren es angeschoben hatten. Dort kaufte ich ein Ticket fuer den Nachtbus Richtung Dschungel fuer den naechsten Tag und nahm es fuer den Rest des Nachmittags und Abends gemuetlich. Ich kam sogar dazu, auf der Terrasse mit Blick auf Tal, Berge und Pool in meinem Buch zu lesen.

Rumpelpumpel nach Rurrenabaque (noch eins, wenn auch nicht so gut) und weitere Aussichten
Gestern (Samstag) kam ich nach einer extrem staubigen, aber wenigstens nicht ereignisreichen 14-stuendigen Rumpelfahrt (die einzigen asphaltierten Streckenabschnitte waren wenige Bruecken) durch die Yunga-Taeler morgens um 4:30h in der gemuetlichen und herzigen Dschungelstadt Rurrenabaque an. Hier ist es 31 Grad und ziemlich feucht, so dass einem vom blossen Rumsitzen der Schweiss runterlaeuft. (Es ist echt schrill, wie man in diesen Laendern in einem einzigen Tag das ganze Klimaspektrum durchlaufen kann.) Von hier aus werde ich morgen (Montag) mit Jill und Dale, mit denen Andrea und ich in Ecuador einige Tage unterwegs waren und die inzwischen auch hier angekommen sind, auf eine 3-taegige Pampas-Tour im nahegelegenen Madidi Nationalpark gehen. Habe wieder einmal Schwein, dass ich den Trip mit Leuten machen kann, die ich schon kenne; das wird sicher witzig! Wir hoffen pinke Flussdelphine, Kaimane, Affen, Anakondas und vieles mehr zu sehen und nicht allzu verstochen zurueckzukehren.
Am Donnerstag fliege ich zurueck nach La Paz (so der Flug auch wirklich geht) und reise von da weiter suedlich in die Studenten- und Hauptstadt Sucre. Und dann geht's auch schon mit grossen Schritten dem Ende meiner Reise entgegen - nur noch 3 Wochen! Freue mich aber auf euch.

Bolivien gefaellt mir bisher sehr gut, wenn es auch ein sehr armes Land ist (das aermste in Suedamerika) und ein Land voller Gegensaetze: La Paz (zumindest der Kern) ist eine moderne Stadt inkl. Fastfoodmeile, waehrend man bei Ueberlandbusfahrten Leute in Lehmziegelhuetten hausen sieht, die ihre Waesche im Fluss oder See waschen und auf Steinen trocknen. 32% der Bevoelkerung sind unter 14-jaehrig; die Durschnittsanzahl Kinder, die eine Frau hat, sind 5; nur gerade 4% sind ueber 65-jaehrig; ironischerweise wird man mit 65 pensioniert, und ab dann gibt es auch freie medizinische Versorgung; das BIP pro Kopf sind rund 1200 Dollar; 10% der Bevoelkerung verfuegen ueber 40% des Reichtums...

@Straumaenner: Danke nochmals fuer das Survival-Kit - das meiste davon hat sich bisher als nuetzlich erwiesen. Aber die 3 Aerzteromane sind so schlecht, dass ich wirklich nicht weiterlesen konnte. Zudem ist es ja auch Gewicht, dass man mitschleppt - musste den Schunken entsorgen ;-)

Wednesday, August 26, 2009

Ich komme ja gar nicht nach!

Huaraz - Santa Cruz Trek
Nach dem letzten Blogeintrag musste ich mich noch einen weiteren Tag gedulden, bis ich den Santa Cruz Trek starten konnte (nicht genuegend Leute fuer eine Gruppe). Ich nutzte die Zeit
, um wieder mit Dani, Roberto und ihren Freunden in die Disco El Tambo zu gehen und ein bisschen herumzutaenzeln. Roberto ist einiges groesser als der Durchschnittsperuaner, so dass ich mir dabei nicht mal allzu bloed vorkam. (Ich habe ja immer Angst, dass die Leute gar nicht merken, dass ich da Paartanz betreibe; so klein sind die Peruaner.) Irgendwann um jenes Wochenende herum konnte ich auch meinen 9-Tage-ohne-Pollo-Rekord feiern!

Montag frueh holte mich Abel, unser Guide, gleich vor dem Hostal ab, und wir fuhren in einem Minibus nach Yungay und von da weiter die Berge hoch ueber einen Pass und dann wieder runter auf 3'700m, wo unser Trek offiziell startete. Wir waren eine glatte Siebnertruppe: Nerea und Roc
io aus Barcelona, Carine und Ludo aus Lyon, Yan und Olga aus Jerusalem (eigentlich Russen) sowie ich (und der Flachmann). Die Crew bestand aus Abel, Lucia (super Koechin - ihre Suppen werde ich nachzukochen versuchen) und Emilio, der sich um die Packesel, Zelte, etc. kuemmerte; ein Maedchen fuer alles quasi. Zunaechst wanderten wir an Doerfern, Kindern auf dem Schulweg, Frauen und Maennern beim Dreschen (von Hand), Kuehen und Eseln vorbei, bis wir gegen Abend unser Camp auf 3'900m, an einem kleinen Fluss gelegen, erreichten. Ich hatte ein kleines Zelt fuer mich und den Flachmann. Nach einer kalten Flussdusche genossen wir ein herrliches Nachtessen mit Suppe (die Suppen in Peru sind einfach fantastisch), Hauptgang und Tee. Danach legten wir uns schlafen - in Vollmontur, denn der Himmel war klar (so klar habe ich die Sterne am Himmel selten gesehen) und die Nacht dementsprechend eisig kalt.

Morgens um 5:15h weckte uns Abel, und nach dem Fru
ehstueck und Cocatee zur Staerkung brachen wir auf mit dem Ziel, Punta Union auf 4'750m zu erklimmen. Bei Nieselregen wanderten wir durch die gruen-graue Landschaft, bis wir gegen Mittag bei Schneeregen den Pass erreichten und uns einen ordentlichen Schluck von Greter Wisels Zwetschgen genehmigten. Schade, dass die Sicht so schlecht war, dass wir die Landschaft nicht wirklich geniessen konnten. Im Laufe des Abstiegs jedoch verschwanden die Wolken allmaehlich, und als wir unser zweites Camp auf 4'200m erreichten, schien sogar die Sonne! Nach einem Snack mit Kafi Zwaetschge (kam sehr gut an) erkundeten wir etwas die Umgebung, immer in Acht vor den super aggressiven Kuehen (ich weiss wirklich nicht, was deren Problem war - eine wollte mich vom Fluss wegjagen, als ich mir die Zaehne putzte). Zu Essen gab es wieder eine Suppe, gefolgt von Lomo saltado (typisches Peruanisches Gericht mit Rindsgeschnetzeltem, Pommes, Zwiebeln, Tomaten und Reis) - lecker! Um uns das Einschlafen zu erleichtern, erzaehlten Emilio, Lucia und Abel diverse Raeubergeschichten von Geistern u.ae. Danach getrauten wir uns nur zu dritt aufs "Klo" und erschraken mit halb heruntergelassenen Hosen gewaltig, als sich das Licht der Stirnlampe in zwei dunklen Kuhaugen reflektierte...

Am dritten Tag wanderten wir bei schoenstem Wetter zun
aechst zu einem Gletschersee mit herrlicher Sicht auf die umliegenden 5'600-6'000er (u.a. den Alpamayo und den Berg aus dem Paramount Logo), spaeter am maeandrierenden Fluss und Lagunen entlang bis zu unserem letzten Camp auf rund 3'200m. An jenem Abend leerten wir den Flachmann und freuten uns langsam wieder auf eine warme Dusche.

Tags darauf wanderten wir nochmals rund 2 Stunden das S
anta Cruz Tal hinunter, an dessen Ende der Minibus auf uns wartete und uns nach Huaraz zurueckbrachte. Total 45 km hatten wir zu jenem Zeitpunkt zurueckgelegt. Zum Abschluss trafen wir uns alle zu einem Pisco Sour in der Stadt. Danach versuchte ich, Cuy zu essen; leider kann ich nichts zum Geschmack des Meerschweinchens sagen, weil ich kein Fleisch gefunden habe auf dem Teller. Ich werde es aber nochmals versuchen. (Cuy frito war scheint's eine schlechte Wahl - Cuy Picante soll ein bisschen reichhaltiger sein. Mal sehen.)

Ueber Lima nach Cusco
Am naechsten Morgen (Freitag vor 2 Wochen) nahm ich den Bus nach Lima - wow, diese Tagesfahrt hat sich allemal gelohnt; so eine schoene Landschaft habe ich noch nie gesehen! (Inzwischen habe ich das noch ein paar weitere Male gesagt...) Es zu beschreiben waere etwas schwierig. Im Touriviertel Miraflores konnte ich in Robertos (Sohn der Hostalbesitzer in Huaraz) Wohnung, die er als WG vermietet, unterkommen. Mit Helena, einer Medizinstudentin aus Oesterreich, verfielen wir in eine Diskussion zum Thema Geschlechtskrankheiten im Dschungel von Peru, welche zwar interessant war, die ich danach aber mit einem Cider in einem Pub runterspuelen musste.

Tags darauf hatte ich einen Flug nach Cusco (1:20h - mit Bus 22h), wo ich gegen Mittag im coolen Loki Hostal ankam. Gleich bei der Reception lernte ich Renate aus Schaffhausen kennen, mit der ich die naechsten drei Tage in Cusco herumtingelte. Gemacht haben wir nicht wirklich viel: Tour fuer kommende Tage organisiert, ausgeschlafen, ein wenig die Stadt erkundet (sehr nett, sehr touristisch), Souvenirlaeden abgeklappert, Suesses aus der Baeckerei gegessen (das Zeug war wirklich nicht schlecht, auch wenn keine Konfituere drin war), abends im einen oder anderen Loch einen Pisco Sour getrunken, uns ueber gewisse Party Animals im Loki lustig gemacht, die mit nackten Beinen in Stiefeln und Hot Pants (breiten Guerteln) rumliefen (heute geil, morgen inkontinent) und ueber Fasnacht und sonstige Festivitaeten zu Hause geschwaermt. Weiter durften wir beiwohnen, als eine Disco wortwoertlich dichtgemacht wurde - Polizei mit Schutzmontur und Schaulustige standen vor dem Eingang, der von zwei Arbeitern zugemauert wurde. Es waren lustige und entspannte drei Tage.

Inka Jungle Trek nach Machu Picchu
Am Dienstag (vor einer Woche) gings los mit dem Inka Jungle Trek, dem lockersten Trek
nach Machu Picchu. (Eigentlich wollte ich den strengeren Lares Trek machen, aber leider gab es nicht genuegend Interessierte fuer eine Gruppe. So ungluecklich war ich dann aber doch nicht, da ich die Woche zuvor eigentlich genuegend herumgewandert war und meine Fuesse immer noch etwas havariert waren.) Am Abend zuvor beim Briefing staunte ich nicht schlecht, als ich erfuhr, wer meine Gspaenli fuer die naechsten vier Tage sein wuerden: Cathrin, Sonja, Nora und Paul aus Karlsruhe, die ich Nachmittags in einem Internetcafe leicht verzweifelt beim Versuch, online einen Flug nach Buenos Aires zu buchen, vorfand. Small world, immer wieder.

Mit unserem Guide Henry fuhren wir morgens die Berge hinauf bis nach Abra Malaga, auf rund 4'300m gelegen
. Von da sausten wir mit Bikes die Strasse hinunter bis auf rund 2'000m, immer mit Ausblick auf Berge und das unter uns liegende Tal. Die Bikes waren mehr oder weniger ok - bei Cathrin fiel irgendwann mal die eine Radschraube ab, und Paul war leider noch vor dem Start durch einen richtig grossen Scheisshaufen gefahren. (Wir philosophierten noch den ganzen Tag darueber, woher so ein Riesenhaufen stammen konnte - und natuerlich, wie man den ueberfahren konnte, ohne es zu merken. Stellt euch vor, wie gross der war: Sogar die Bremshalterung war voll davon.) Es stank so haesslich, dass wir schnell losfuhren und Paul zum Schlusslicht verbannten. Oben hatten wir noch Vollmontur an und Bergzauber, waehrend uns unten Dschungelklima mit Moskitos erwartete. Die Nacht verbrachten wir in einem Hostal im Kaff Santa Maria auf 1'400m.

Am Mittwoch wanderten wir rund 20km mehrheitlich durch Wald, vorbei an Kaffee-, Papaya-, Avocado-, Mang
o-, Zitronen-, Orangen-, Limetten- und Bananenbaeumen, Kakaopflanzen, Baumwollstraeuchern sowie Cocapflanzen, teilweise auf dem original Inkatrail, nach Santa Teresa (1'700m), wo wir abends ein erholsames Bad in den Thermen geniessen konnten! Der Bezug der Unterkunft gestaltete sich dann interessant: Paul und Nora wollte man ein total verschimmeltes Zimmer ueberlassen. Als sie sich beschwerten, wurde sogleich der Vanilleduftspray gezueckt - der behebt doch das Problem auf einfache Weise! Wir fanden das kommt wirklich nicht in die Tuete und bezogen eine andere Unterkunft. Nach dem Abendessen verschlug es uns in eine super Disco, wie schon die Entenlichtreklame auf dem Dach zu verhoffen liess :-) Die ganze Szene war eigentlich ziemlich schrott (schlechter DJ, infantile Englaender und Kanadier), aber wir hatten's trotzdem lustig bis knapp morgens um 2. Beim Taenzeln mit einem durschnittsgrossen (/-kleinen) Peruaner fiel mir wieder mal die Story ein, die ich vor schaetzungsweise 17 Jahren in der Autobahnraststaette in Bellinzona (da gabs damals ganz tolle Sandwiches) im Blick gelesen hatte: Eine superfette Frau und ihre halbe Portion von Ehemann hatten Streit. (Die Szene spielte sich natuerlich in den USA ab.) Da setzte sich die fette Frau auf den kleinen, duennen Mann und liess ihm sozusagen die Luft raus.

In der Zwischenzeit war ich wiederholt "El condor pasa" ausgesetzt worden - warum mu
ss jedes Panfloetenlied im Condor enden?

Am dritten Tag mussten wir nur noch 2.5h den Bahnge
leisen entlang durch das Valle Sagrado (heiliges Tal) nach Aguas Calientes wandern, was der Ausgangspunkt fuer die Wanderung nach Machu Picchu ist. Wir entschlossen uns, am Nachmittag noch auf den Putucusi hochzugehen, von dem man einen sehr schoenen Ausblick auf Machu Picchu (alter Berg) hat. Laeck, war das steil - stellenweise musste man Holzleitern hochsteigen, die ca. 80 Grad geneigt waren. Kaum hatten wir uns schlafen gelegt, polterte irgendein Idiot waehrend mehreren Minuten an die Tuer der Unterkunft, ohne dass es jemand fuer noetig hielt, fuer Ruhe zu sorgen. Gleichzeitig schrie eine hysterische Kuh im obersten Stock (Wohnung der Hostalbesitzer, nehme ich an) dauernd herum, so dass ich effektiv aufstand, an die Wohnungstuere klopfte und den chico darum bat, unten wie auch oben fuer Ruhe zu sorgen.

Danach blieben uns nur wenige Stunden Schlaf, bis wir uns um 4:30h mit Stirnl
ampe an den kurzen, aber steilen Aufstieg (mehrheitlich relativ hohe Treppenstufen - wie Nora spaeter bemerkte: Wie gross waren eigentlich die Inkas?) auf den Machu Picchu machten. Schon im Hochgehen begann es zu nieseln, und als wir oben um 5:30h in der Schlange vor dem Eingang standen, regnete es richtig herunter. So ging es dann noch einige Stunden weiter, was sehr schade war, da uns so der Sonnenaufgang und die fruehmorgendliche Erkundung der beeindruckenden Inkastadt verwehrt blieb. Gluecklicherweise tat sich der Himmel nach 9 auf, so dass wir den Rest des Tages bei strahlendem Sonnenschein geniessen konnten. Wir waren auch unter den gluecklichen 400, die auf den Waynapicchu (junger Berg) durften, um Machu Picchu von oben zu sehen. (Das ist der Berg, den man auf den Postkarten immer im Hintergrund sieht). Spaeter im Nachmittag flaezten wir uns auf der Wiese in der Sonne, nahmen ab und zu einen Schluck aus dem Flachmann (unterdessen mit Pisco gefuellt) und schauten in die Wolken. Cathrin sah allerlei aus meiner Sicht eher weit hergeholte Tiere in der Gestalt der Wolken (:-)), waehrend ich froh war, dass es keine Wolken gibt, die aussehen wie eine Linzertorte. (Muss zwar sagen, dass meine Gier in letzter Zeit abgenommen hat.) Zu Machu Picchu finde ich: Obwohl sehr touristisch, ist es wirklich ein magischer Ort, zu dem sicherlich die Landschaft mit den hutfoermigen Bergen rundherum das Ihrige beitraegt.

Alles in allem ein tolles Erlebnis!
Abends um 6 nahmen wir den Zug nach Ollyantaytambo und von da, nach Ueberwindung des organisatorischen und verkehrstechnischen Chaos, einen Bus nach Cusco, wo wir nach 10 muede aber zufrieden ankamen und sogar noch eine feine Pizza erwischten.

Outro

Dies ist nun der Status von Freitag letzter Woche. Inzwischen sind schon wieder 5 erlebnisreiche Tage vergangen mit Grenzuebertritt nach Bolivien, chillen am Titicacasee und Ausgang in La Paz. Morgen geht's mit dem Bike die Death Road hinunter und danach in den Dschungel! Von all dem aber mehr im naechsten Eintrag, der hoffentlich nicht so lange auf sich warten laesst wie dieser.

Und noch ein Nachtrag zum letzten Eintrag: Unterhosenersatz gestaltete sich schwierig. Brauchbare Designs gibt's nur bis Groesse 36, und die anderen sind Verhuetungsmittel. Ich habs aufgegeben und wasche lieber oefter ;-)