Tuesday, July 21, 2009

Wandervoegeln die Zweite mit Happy End in Banos

Nach dem letzten Blogeintrag ging es wie erwaehnt ran an die Lisa resp. den Iliniza Norte. Unser Guide Juan (wir hatten eine 5-Tages-Tour gebucht: Iliniza Norte und Cotopaxi) holte uns im Hotel Rodelu (super empfehlenswert) in Latacunga um 2 Uhr nachmittags ab, und los ging es ueber die Panamericana und danach etwas holpriger nach El Chaupi, ein kleines Kaeffchen auf dem Weg zu den Ilinizas. Dort bezogen wir Quartier im Hostal La Llovizna, das eigentlich cool eingerichtet ist, aber doch etwas kuehl war. (Ich habe mich schon oft gefragt, wie es die Leute hier monatelang aushalten bei Schweizer Herbsttemperaturen ohne Heizung.) Natuerlich sind wir wieder mal abends um 8 ins Bett (und wir waren mit Abstand die letzten), da bereits muede und Morgenapell auf 5 Uhr angesagt war. Nach Fruehstueck und Holperpiste (die vielen Naturstrassen sind unglaublich schlecht) gelangten wir zum Parkplatz auf rund 3'900m. Von da gings zu Fuss durch die schoene Andenflora (paramo) 2 Stunden bergauf bis zum Refugio auf 4'600m. Auf der Hoehe waechst dann nicht mehr viel, und es wird eisig. Nach kleinem Imbiss und kurzem Warten darauf, dass die Sonne das Eis auf dem Weg noch etwas aufschmelzen wuerde, stiegen wir weiter den Iliniza Norte hoch. Die Route wurde jetzt relativ steil, felsig/steinig und beinhaltete viele Kletterpartien, bis wir nach weiteren 2:20h auf dem Gipfel ankamen (5'126m)! Es war ein tolles Gefuehl, da oben zu sitzen (am besten steht man nicht und haelt sich gut fest...) mit Ausblick auf den Iliniza Sur (schneebedeckt), Cotopaxi (natuerlich schneebedeckt) und das Hochland. Wegen dem starken Wind und den doch sehr steilen Aussichten zogen Andrea und ich es vor, das Mittagessen auf spaeter zu verschieben :-) Auch ein Schluck von Greter Wisels Zwetschgen aus dem Flachmann blieb uns verwehrt, da ich ihn schlicht vergessen hatte :-( Ach ja, auf dem Foto jetzt endlich mal Andrea fuer jene, die sich schon gewundert hatten, wen das "wir" noch beinhaltet! Der Abstieg dauerte rund 1.5 Stunden und machte uns nicht ganz so viel Spass wie der Aufstieg, denn der Grossteil musste auf Sand zurueckgelegt werden und dementsprechend teilweise "uf em Hosebode". Wieder beim Parkplatz angekommen, waren wir supergluecklich und goennten uns unsere wohlverdienten Oepfelringli, nach denen wir inzwischen suechtig geworden waren (Juan auch). (Seit letzten Sonntag haben wir uns aber zusammengerissen und keine mehr gekauft.)

Den Rest des Nachmittags sowie den folgenden Tag verbrachten wir in der ganz tollen Unterkunft Chilcabamba in der Naehe des Cotopaxi Nationalpark. Reno, der Besitzer, war mit einer Schweizerin verheiratet und hatte uns bereits eine Woche zuvor in der Agentur in Quito mit einem flotten "Gruezi wohl" begruesst - Heimat! Wunderschoen gelegen im Hochland inmitten von Huegeln, Bergen, Kuehen und Herden von wilden Pferden liessen wir es uns gutgehen bei feinem Essen (siehe auf dem Foto rechts von mir Diomedes, der Koch), tollen Betten mit richtigen Decken, Kartenspielen ("Quarenta" heisst das ecuadorianische Spiel) und Duschen mit heissem Wasser. Einen 3-stuendigen Rundmarsch zu einem Wasserfall vertrug ich dann auch noch, denn Muskelkater oder sonstige Beschwerden hatte ich keine. (Inzwischen war uebrigens die Verdauung auch fast wieder so ok, dass sie den Namen verdiente.)

Hier nun ein Intermezzo zu Juan (auf dem Foto links von mir): Wir hatten's sehr lustig mit Juan, dem 44-jaehrigen ex-Tanzlehrer, ex-Stripper (ok, er hat es nur 5 mal gemacht und gemaess Eigenaussage nie das volle Programm) und ex-Bodybuilder (er war mal Vize Mister Pichincha oder so), der seit 23 Jahren Guide ist und nach dem 200. Mal Cotopaxi (vor rund 2 Jahren) aufgehoert hat zu zaehlen... Nach Beziehungen mit einer Deutschen (fast geheiratet) und einer Schweizerin (nicht ganz so nahe dran) ist er nun verheiratet mit einer 29-jaehrigen Ecuadorianerin und hat ein Kind. Deshalb will er sich zukuenftig auch ein neues Standbein aufbauen, und zwar so eine Art Wohlfuehloase in der Naehe von Quito. Natuerlich konnte ich mich nicht zurueckhalten mit kreativen Slogans fuer die Oase und hoffe, dass der eine oder andere Teil umgesetzt wird, haha. (Meiner Erfolgsquote betreffend Kindernamensgebung fuer angehende Eltern zufolge wird wohl nichts daraus...)

Am Freitag verliessen wir Chilcabamba Richtung Cotopaxi. Die Holperpiste fuehrte durch den wunderschoenen gleichnamigen Nationalpark bis auf 4'500m. Von dort ging es ca. 45 Minuten im Vulkansand steil hoch zum Refugio auf 4800m. Man kommt also schon ins Schnaufen auf der Hoehe bei der Steigung, kann ich sagen. Das Refugio selbst vermittelte nicht wahnsinnig viel Huettenzauber, denn dazu haette es ein Feuer im Ofen gebraucht. Wir stellten uns daher bereits auf kuehle Stunden bis zum Aufstieg ein. Zunaechst gab es Abendessen (um ca. 15 Uhr), danach legten wir uns hin, bis uns Juan weckte fuer einige Trockenuebungen zum Thema Abseilen; das war sicherlich der lustigste Teil des Cotopaxi-Abenteuers, abgesehen von einigen hysterischen Lachanfaellen, die wohl durch die etwas duenne Luft kombiniert mit der Aussicht darauf, dass ich einen Esel mit weichem Haar kuessen wuerde bei allfaelliger Cotopaxi-Bezwingung ("burro con pelo suave" - wir streiten uns immer noch, wessen Idee es war; jedenfalls war Andreas urspruenglicher Vorschlag, dass ich einen Ecuadorianer kuesse, was, wie ihr wisst, mir eventuell schwerer fallen wuerde als "der Esel" :-))), hervorgerufen worden waren. Nach weiteren paar Stunden Gedoese im Schlafsack in Vollmontur (dicke Thermounterwaesche, Hose, langaermliges Shirt, Fleece, Jacke, Kappe, Handschuhe) standen wir um Mitternacht auf und fruehstueckten. Andrea entschied sich spontan dafuer, auf einen Aufstieg zu verzichten, so dass ich mich mit Juan irgendwann nach 1 Uhr morgens mit Stirnlampe, Steigeisen und Eispickel allein auf dem Weg machte. Die ersten 1.5 Stunden oder so stiegen wir im Vulkansand auf, bis wir zum Gletscher kamen und die Steigeisen montierten. Es ging steil weiter, bis ich auf rund 5'400m beschloss, nicht weiter aufzusteigen. Es ging mir zwar gut, hatte keine Probleme mit der Hoehe, aber es war mir einfach zu steil, so dass mir der Aufstieg keinen Spass machte und ich dementsprechend keinen Sinn darin sah weiterzumachen. Um 5:30 Uhr waren wir zurueck im Refugio, legten uns nochmals etwas hin und stiegen um 9 Uhr runter zum Parkplatz. Meiner Ansicht nach besteht die Herausforderung beim Cotopaxi weniger in der Hoehe oder den zu machenden Hoehenmetern (ca. 1'100m - von 4'800m auf 5'897m), sondern in der konstanten Steigung von ca. 50 Grad, die sich fast ohne Unterbrueche durchzieht. Da muss man einerseits fit sein und es andererseits - und v.a. das - wirklich wollen. @Andrea T.: Chapeau! Wie dem auch sei, es war trotzdem ein tolles Erlebnis, so hoch oben zu stehen und auf das naechtliche Lichtermeer von Quito zu blicken. (Viel verpasst scheine ich in diesem Fall nicht zu haben - die anderen haben mir erzaehlt, dass man von oben leider nichts gesehen habe wg. Wetter, und sie kehrten stark eingeeist zurueck.)

Nach ca. 1 Stunde "Ritt" durch den Nationalpark (wir nahmen noch Max aus New York mit, einen 19-jaehrigen Verrueckten, der ohne Akklimatisierung 3 Tage (!) im Refugio mit starken Kopfschmerzen verbracht hatte und in derselben Nacht den Cotopaxi bestieg) kamen wir wieder in unserer Basisstation Latacunga an. Latacunga hat mir uebrigens bislang von allen Orten mit Abstand am besten gefallen - die Stadt hat einfach einen guten Vibe! Als Abschluss unserer Tour assen wir mit Juan zu Mittag "chugchucara", ein ortstypisches Gericht, welches potentiell direkt zum Herzinfarkt fuehrt (so stehts im Lonely Planet, und so ist es auch): Gebratene Stuecke Schweinefleisch, gebratene Bananen, fritierte Schweinehaut (schmeckt aehnlich wie Snacketti), mote (eine Art gekochter Riesenmais), Kartoffeln, geroesteter Mais, Popkorn und Kaesetaschen :-) Dazu natuerlich Cola, damit's auch stimmig ist. War jedenfalls gut und, wie ihr euch vorstellen koennt, fuellend. Samstag war uebrigens auch der erste Schlechtwettertag, den ich hier erlebt habe. Chasch also nuet saege. Foto rechts: Cuy (Meerscheinchen) - immer noch nicht probiert.

Am Sonntag verabschiedeten wir uns von Latacunga (sniff!) und der einwoechigen Askese (kein Tropfen Alkohol und den Rest koennt ihr euch ja vorstellen) und nahmen den Bus nach Banos, wo wir uns seither von der Wanderwoche erholt haben - Riferrafting auf dem Rio Pastaza am Montag, baden im heissen Vulkanwasser und Curry abends im Casa Hood, Caiphi im Park gestern und entspannende Abrundung des Tages mit Rueckenmassage und Fondue im Swiss Bistro (sind dem Tip von Annina Kradolfer gefolgt). Die Welt ist uebrigens sehr klein, wie immer - am Sonntagabend haben wir Max im Resti angetroffen, gestern im Swiss Bistro waren wir zu viert mit Jill, die wir auf dem zweiten Boot auf Galapagos angetroffen hatten, und ihrem Ehemann Dale, einem Paar aus England. Weiter muss ich noch erwaehnen, dass wir es die Tage geschafft haben, erst um 23 Uhr zu Bett zu gehen und nicht vor 8 Uhr aufzustehen.

Heute Abend (Dienstag) geht's nun wieder an die Kueste; Ziel ist Puerto Lopez - Whale-watching ist angesagt! Dies wird dann auch der Abschluss des Ecuadorteils meiner Reise sein. Naechste Woche mache ich mich mit etwas gemischten Gefuehlen auf nach Peru - einerseits freue ich mich auf neue Abenteuer und Eindruecke, andererseits werde ich von da an alleine unterwegs sein, was mich etwas weniger freut. Aber wie geschrieben: Die Welt ist klein, und ich bin optimistisch, dass ich da den einen oder anderen lustigen Menschen treffe, mit dem ich ein Stueck reisen kann.

Ich hoffe ihr geniesst den Sommer, nachdem es nun wieder etwas waermer ist.










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